Blogparade :: Mein europäisches Versprechen :: my european promise

Platz des europäischen Versprechens

Europatag 2008 auf dem künftigen Platz des europäischen Versprechens. Foto: Sabitha Saul,

In wenigen Tagen, am 11. Dezember 2015, wird hier an der Christuskirche in Bochum der „Platz des europäischen Versprechens“ offiziell der Bevölkerung der Stadt übergeben. Das Datum bildet damit den Abschluss eines mehr als 10 Jahre dauernden Prozesses, in dem die Idee zu diesem Platz mehrfach zu scheitern drohte.

Mehr als 14.000 Bürgerinnen und Bürger aus Europa haben für dieses Kunstwerk des Künstlers Jochen Gerz Europa ein Versprechen gegeben. Ein stilles Versprechen. Nur sie allein wissen, was sie versprochen haben. Nur ihre Namen sind in den Platz vor der Kirche im Herzen Bochums eingraviert.

Was für eine wundervolle Idee war das eigentlich, damals im Jahr 2004? Menschen bekennen sich zu Europa als einem Ort, der für Freiheit, Entfaltung, Demokratie und Weltoffenheit steht. Eine Idee eines lebendigen Europas, das nicht durch Territorien und Grenzen sondern vor allem durch seine Bürgerinnen und Bürger gebildet und gestaltet wird.

Diese Idee steht in diesen Zeiten ernsthaft zur Disposition. Immer mehr zeigt es sich, dass die Idee des „offiziellen“ Europas vor allem von finanziellen und wirtschaftlichen Interessen geprägt war. Und so lange sich Herausforderungen und Interessenkonflikte noch mit Geld lösen ließen, schien die europäische Idee „in Ordnung“ zu sein.

Nun machen sich Hunderttausende Menschen auf den Weg in eben dieses Europa. Sei es, weil sie vor Krieg, Gewalt und Terror flüchten oder aus wirtschaftlicher Not, die oftmals nicht zuletzt aufgrund unseres eigenen Konsumverhaltens oder geostrategischer Interessen verursacht wurde. Die Herausforderungen, die dieser Zustrom von Menschen mit sich bringt, die in Europa ihren Frieden und ihr Glück suchen, lässt sich nicht allein mit finanziellen Mittel lösen. Europa ist reich genug, diese Menschen aufzunehmen.

Die Herausforderungen liegen auf ganz anderen Ebenen. Sie sind kultureller Natur. Sie sind eine echte Nagelprobe für das, was in Friedenspreis-Reden und anderen großen Ansprachen gern als „europäische Werte“ bezeichnet wird. Doch was genau sind diese Werte? Gibt es sie? Was macht diese europäischen Werte aus? Sind wir wirklich so weltoffen, wie wir vorgeben zu sein? Wie steht es um die Bildung in Europa, die Kultur, die Wissenschaft?

Wir haben in diesen Tagen drängende Fragen zu beantworten. Unsere Politik, aber auch jede und jeder von uns selbst. Was ist uns unsere Freiheit wert? Was ist uns auch die Freiheit der Anderen wert? Wissen wir unser Glück, in demokratischen Gesellschaften zu leben, überhaupt zu schätzen? Was ist uns unsere Bildung wert? Unsere Kultur, unsere Kulturen? Wie gehen wir in diesem Europa miteinander um? Gibt es überhaupt noch soetwas wie eine gemeinsame Idee? Eine Vorstellung dessen, wofür dieses Europa abseits wirtschaftlicher Prosperität noch stehen könnte?

Jochen Gerz und ich rufen auf zu einer Blogparade zum Thema „Mein europäisches Versprechen“. Wie sieht er aus, unser konkreter Beitrag zu einem freien, friedlichen Europa, das unsere unterschiedlichen Kulturen als Bereicherung begreift? Wie können wir grenzüberschreitend an einer echten gemeinsamen Identität arbeiten, deren Werte nicht materieller sondern kultureller Natur sind? Was sind unsere Begeisterungsfaktoren für Europa abseits von Urlaubsreisen und Städtetrips?

Wir möchten gerade in diesen bewegten Zeiten, in denen vielerorts nationalistische Töne an Lautstärke zulegen und immer wieder die Idee eines weltoffenen, humanistischen Europas in Frage gestellt wird, einen Kontrapunkt setzen und einen Diskurs über die europäischen Werte beginnen. Es wäre wunderbar, wenn wir neben dem physischen Platz des europäischen Versprechens auch einen virtuellen Platz europäischer Versprechen schaffen. Einen Platz voller kultureller, lebendiger Vielfalt. Einen Platz, auf dem Visionen diskutiert werden. Einen Platz, auf dem mit Leidenschaft aber in gegenseitigem Respekt gestritten wird. Einen Platz, auf dem gelebt, gefeiert, gelacht, geweint, getanzt und vorgetragen und zugehört wird. Ein Platz, der keine Grenzen kennt und offen ist für alle, die ihn gestalten wollen.

Unter diesem Artikel werden wir alle Beiträge verlinken. Das Hashtag zur Blogparade lautet #europeanpromise.

Wir hoffen auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie auf engagiertes Teilen und Kommentieren. Ganz herzlichen Dank schon jetzt an alle, die einen Beitrag leisten.

Glück auf!


Christuskirche Bochum

Christuskirche, Bochum

In only a few days, December 11th, the „Platz des europäischen Versprechens“ here at the Christuskirche in Bochum will officially be handed over to the citizen. This date therefore stands for the completion of a process that took 10 years, a process during which the idea of this square threatened to fail several times. More than 14.000 European citizen have made Europe a commitment for this artwork by the artist Jochen Gerz. A quiet commitment. Only they know what they have promised. Engraved in the square in front of the church in the very heart of Bochum are only their names.

What a wonderful idea was that, back in 2014? People commit themselves to Europe as a place that stands for freedom, development, democracy and cosmopolitanism. The idea of a lively Europe, which is not formed and designed by territories and frontiers but most especially by their citizen.

These days, this idea is seriously being questioned. It becomes more and more evident that the idea of an “official” Europe had been marked specially by financial and economic interests. And as long as challenges and conflicts of interest could still be solved with money, the European idea seemed to be “OK”. Now, hundreds of thousands of people are on their way to this very same Europe. They flee from war, violence and terror or they flee from economic hardship, which often results from our own consumer behavior or geostrategic interests. The challenges provoked by this influx of people who search for peace and happiness in Europe cannot be solved solely with financial resources. Europe is rich enough to accommodate these people. The challenges lie on quite different levels. They are cultural. They constitute a real test for what is often referred to as „European values“ in major speeches, be it speeches for peace prices or for similar occasions. But what exactly are these values? Do they exist? What do these European values consist of? Are we really as open-minded as we pretend to be? What about education in Europe, about culture, about science? These days, we need to find the answers to urgent questions. Our policy needs to, but so does each and everyone of us. What is our freedom worth to us? What is the others’ freedom worth to us? Do we realize and appreciate our good fortune to live in democratic societies? What is our education worth to us? Our culture, our cultures? How we deal with each other, in this Europe? Is there still something like a common idea? An idea of what this Europe could stand for, besides economic prosperity?

Jochen Gerz and I call for a blog parade on the topic „My European promise“. What does our specific contribution to a free, peaceful Europe look like, a Europe which understands our different cultures as an enrichment? How can we work on a genuine common identity whose values are not material but cultural? Which are the factors that generate enthusiasm, besides holidays and city trips?

It is just during these troubled times, during which in many places the nationalist tones increase in volume, and in which the idea of a cosmopolitan, humanistic Europe is repeatedly being questioned, that we want to offer a counterpoint and start a discourse on European values.

It would be wonderful if, besides the physical Square, we could also create a virtual Place of European Promises. A place full of cultural, lively diversity. A place where to discuss visions. A place where to argue with passion but mutual respect. A place where to live, celebrate, laugh, cry, dance, lecture and listen. A place that knows no frontiers and is open to all those who want to design it.

We wil be linking all contributions under this article. The hashtag for Blogparade is # europeanpromise. We hope there will be many participants, as well as a committed sharing and commenting. Many thanks already to all contributing.

Glück auf!

 

 


 

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Über die Blogparade

Jeder und jede darf an der Blogparade teilnehmen. Wer kein eigenes Blog hat, aber dennoch etwas über sein „Europäisches Versprechen“ schreiben möchte, darf seinen Beitrag gern zur Veröffentlichung als Gastbeitrag in diesem Blog einsenden.

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