Warum dieser Streik kein Kindergarten ist

In diesen Tagen sind die Medien voll mit Streikmeldungen. Dominierend sind dabei vor allem einmal mehr die angekündigten Ausstände der Lokführer und Piloten. Wenn sie streiken, kocht die Volksseele so richtig hoch. Viele sind betroffen. Mobilität kann, wenn sie uns abhanden kommt, zu fiesen gesellschaftlichen Lähmungserscheinungen führen.

Doch ich möchte mit diesem Post auf einen anderen Streik hinweisen, der im Getöse der Berichterstattung über Flieger und Eisenbahner vollkommen unter die Räder kommt. Was doppelt traurig ist, denn es geht um ein nicht minder wichtiges Anliegen als unsere gesellschaftliche Mobilität, nämlich die Wertschätzung der Betreuungsarbeit an und mit unseren Kindern, Kranken oder alten Menschen.

Unser Nachwuchs besucht unterschiedliche Einrichtungen ein und desselben Trägers, der so genannten Arbeiterwohlfahrt, kurz AWO. Am Donnerstag und Freitag streiken dort die Erzieherinnen und Erzieher, die Kindergärten und KiTas bleiben geschlossen. Für uns Eltern sind solche Schließungen immer eine Herausforderung, denn sie lassen sich mitunter nur mit großem organisatorischen Aufwand und einiger Hilfe aus dem Freundes- und Familienkreis abfedern.

Und dennoch befürworte ich den Ausstand der Erzieherinnen und Erzieher, die tagaus tagein einen aufopferungsvollen und harten Job machen und denen wir das Wohl
unserer Kinder gerne anvertrauen. Ich möchte eine Lanze dafür brechen, dass ihre Leistungen anerkannt und wertschätzend gewürdigt werden. Es bringt mich auf die Palme, wenn ich lese, dass die Beschäftigten in den AWO-Einrichtungen um die 170 Euro weniger für dieselbe Arbeit wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den öffentlichen Kindergärten und Tagesstätten bekommen. Und die sind ja schon weiß Gott nicht fürstlich bezahlt.

Ein Verband, der aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen ist und sich in seinem Leitbild Werten wie Gleichheit, Solidarität und Gerechtigkeit verschrieben hat, sollte sich in Grund und Boden schämen, so mit seiner wertvollsten Ressource, den Menschen, die sich tagtäglich engagieren und eine tolle Arbeit leisten, umzugehen.

Ich möchte die Erzieherinnen und Erzieher bestärken, sich für ihre Rechte vehement einzusetzen und stelle mich gern an ihre Seite. Es ist beschämend, wie in unserer Gesellschaft, die Arbeit von Menschen in sozialen Berufen geringgeschätzt wird. Von den Kitas über die Krankenhäuser bishin zu therapeutischen Einrichtungen und Altenheimen. Ich möchte, dass die engagierte Arbeit angemessen und gerecht entlohnt und gesellschaftlich anerkannt wird. Wenn man sich die Forderungen ansieht, wird man feststellen, dass sie alles andere als überzogen sind.

Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, einmal „Danke“ zu sagen. Danke für die viele Liebe und Geduld, die die meisten dieser Menschen in die großen, kleinen, kranken und hilfebdürftigen Menschen stecken, die sie betreuen. Oft weit über das geforderte und bezahlte Maß hinaus. Es wäre schön, wenn dieser „kleine Streik“ auch medial die Aufmerksamkeit bekäme, die er verdient. Blöd irgendwie, dass er keine Bilder umherirrender Reisender und überfüllter Bahnhöfe oder Flugsteige liefern wird, denn wir Eltern werden mit unseren Kindern wohl eher daheim bleiben und kein attraktiv inszenierbares Bild abgeben, auf das die quotenlüsternen Sender und Gazetten so stehen.

Print Friendly

12 schräge Töne zu “Warum dieser Streik kein Kindergarten ist

  1. Wie recht du doch hast und ich bin ganz bei dir mit deinem Post und deinen Gedanken dazu.
    Meine Frau arbeitet auch in so einem sozialen Beruf und sie schüttelt es immer wenn sie sieht was ich im Gegenzug auch noch für weniger Arbeitsstunden verdient habe solange ich arbeiten gehen konnte(du kennst ja meinen Hintergrund). Selbst mein Krankengeld(für das ich im übrigen sehr dankbar bin) toppt noch ihr Gehalt!
    Ich stelle immer wieder fest, dass wenn man an Maschinen arbeitet man mindestens das doppelte „verdient“ wie wenn man seinen Dienst den Menschen verschrieben hat.
    Das ist traurig und einer der größten Missstände in unserer Gesellschaft.
    Gerne teile ich deinen Beitrag und versuche auch von meiner Seite noch weiter Aufmerksamkeit zu erregen.
    Euch wünschenich gutes Gelingen mit der Organisation um die Kinder unter zu bekommen in der Streikzeit und den erzieherInnen wünsche ich das sie ihre Ziele auch nur annähernd durch bekommen.

    Lieben Gruß
    Chris

    • Danke dir, Chris. Ich finde generell, dass der Wert der Arbeit mit und am Menschen viel zu gering geschätzt wird. Als Gesellschaft müssen wir uns die Frage gefallen lassen, warum wir das tolerieren. Damit sind wir wieder bei Verteilungsfragen, die gewiss nicht einfach zu beantworten sind. Was ist „leistungsgerecht“, was angemessen, was überzogen? Da wird es so viele Meinungen wie Bürger geben.

      Was mich so traurig macht ist die Tatsache, dass die Sozialverbände, Gewerkschaften und Kirchen hier meines Erachtens total als Vorbilder versagen und damit am Ende unglaubwürdig werden. Wir können sie glaubhaft höhere Löhne für Menschen einfordern, wenn sie gleichzeitig damit drohen, im Falle höherer Löhne Menschen entlassen zu müssen (siehe verlinkter Artikel oben).

  2. Pingback: Links anne Ruhr (09.10.2014) » Pottblog

  3. Pingback: Der Wirtschaftsteil | GLS Bank-Blog

  4. Pingback: Woanders – Der Wirtschaftsteil | Herzdamengeschichten

  5. Pingback: Kein Kindergarten :: Streik bei der AWO | jazzlounge

  6. Der Artikel spricht bestimmt vielen Eltern aus dem Herzen. Es ist generell das Problem, dass in Kindergärten und Spielegruppen zu wenig bezahlt wird und es deshalb auch so wenig männliche Erzieher gibt. Es ist schon traurig, wie bei unseren Kindern gespart wird. In der Schule geht es ja dann weiter mit den Sparmaßnahmen, wenn Fehlstunden nicht aufgefangen werden können. Oder in Krankenhäusern und Pflegeheimen wie im Artikel erwähnt.
    Viele Grüße
    Claudia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *