Friedhofsruhe :: Ich brauche eine Pause

Muss man wirklich erst sterben, um endgültig seinen Frieden zu finden?

Diese Frage schoss mir vorhin beim Gang über meinen Lieblingsfriedhof durch den Kopf. Ich besuche diesen Lieblingsfriedhof sehr gern und durchaus oft, obwohl dort niemand begraben liegt, den ich persönlich kennen würde. Er ist eben direkt um die Ecke und ein wunderbar grünes und ruhiges Fleckchen Erde inmitten dieser lauten und trubeligen Stadt. Meist bin ich mit dem Kinderwagen dort, denn nirgends schlafen die Kleinen schneller an, als unter dem sich wiegenden üppigen Grün der uralten Baumkronen.

Ich mag Friedhöfe, denn sie sind Oasen der Ruhe. Selten bin ich näher bei mir selbst, selten denke ich über existenziellere Fragen nach, als wenn ich in Ruhe über den Friedhof schlendere, oder mich dort mit einem Buch auf eine Bank setze und lese.

Mein Lieblingsfriedhof ist ein besonders schönes Exemplar. Alter Baumbestand, organisch angelegte Wege, eine gepflegte Grabkultur und – und das macht ihn zu einem ganz besonderen Ort – ein Friedhof, den sich Juden und Christen teilen. Hier ruhen sie in ihrem Glauben, das mit dem Tod das Leben noch nicht zu Ende ist, nebeneinander. Es gibt keine trennenden Fragen mehr, keinen Hass, keinen Antisemitismus. Hier ist nur noch Frieden. Es ist ein Ort des Nachdenkens, der Stille und der stillen Zwiesprache.

Die letzten Wochen haben mich zusehends mürbe und müde gemacht. Die globalen Konflikte, der Umgang damit in Medien, im Social Web und auch bisweilen in den realen zwischenmenschlichen Kontakten. Mir ist einmal mehr sehr schmerzhaft bewusst geworden, wieviel Hass, Verachtung und Häme zwischen den Menschen herrscht. Große wie kleine Konflikte, deren Ursache oftmals gar nicht mehr benannt werden können. Am Ende steht oft ein Fundamentalismus, dessen starre Haltung ein Aufeinanderzugehen, eine Versöhnung oder nur eine friedvolle Koexistenz unmöglich erscheinen lassen. Das gilt im Großen für die Kriege dieser Welt, ähnlich wie im Kleinen für die Auseinandersetzungen im Zwischenmenschlichen.

Ich bin dessen überdrüssig. Ich bin müde. Ich möchte das nicht mehr. Ich sehne mich nach Frieden. Es kann doch nicht sein, dass wir erst das Zeitliche segnen müssen, um diesen ersehnten Frieden zu finden. Es muss doch auch möglich sein, das im Hier und Jetzt zu schaffen.

Für mich habe ich eine erste Konsequenz gezogen. Ich mache mal Pause. Pause vom ständigen Kommentieren, Diskutieren, Bewerten und Liken. Ich habe mir vorgenommen, Facebook und Twitter privat einfach mal für ein paar Wochen den Rücken zuzukehren. Mich mehr auf das reale Leben zu konzentrieren und mich mehr um Frieden und Versöhnung im Hier und Jetzt zu kümmern. Der Abschied wir kein endgültiger sein, dafür bin ich viel zu gern in meinen Netzwerken unterwegs. Aber ich verordne mir diese Pause, um mal ein bisschen mehr zur Ruhe zu kommen, meinen persönlichen Frieden wiederzufinden.

Hier im Blog wird es weitergehen. Denn meine Gedanken wollen weiter geordnet und niedergeschrieben werden. In gewisser Weise, ist mein Blog ja auch soetwas wie ein Friedhof, mein Gedankenfriedhof eben.

Einstweilen lade ich euch mit den nachfolgenden Bildern auf einen kleinen Rundgang über meinen Friedhof ein.

 

Jüdischer Grabstein mit der Aufschrift "Ruhestätte"

Gedenkstein auf jüdischem Grabstein

Grab in voller Blumenpracht

Trauerhalle und alter jüdischer Friedhof

Grablampe und Kitschengel

Geläut der Trauerkapelle

Kreuz

Sonne hinter Baumwipfeln

Stillleben mit Parkbank und pinkem Kehrblech

neuer jüdischer Grabstein mit Steinen

T Grabstein

Friedhofskreuz von der Seite

alter jüdischer Friedhof in Bochum

alter jüdischer Friedhof an der Wasserstraße

alter jüdischer Friedhof an der Wasserstraße in Bochum

neues jüdisches Grabfeld

jüdischer Grabstein mit Gedenkstein

Friedhofsweg

Wasserstelle auf dem Friedhof

Friedhofsbank

Grablicht

Baumwipfel

Knusperhaus des Friedhofswärters

Grabstein mit der Aufschrift "Call", erinnert an "Last Call"

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9 schräge Töne zu “Friedhofsruhe :: Ich brauche eine Pause

  1. Ich kann Dich und Deine Entscheidung sehr sehr gut verstehen und wünsche Dir, dass Dir die Pause etwas von dem ersehnten inneren Frieden bringt.

    P.S. Ein schöner Friedhof und wunderbar in Fotos eingefangen.

  2. Pingback: Marktschreier 2.0 oder Reden in Zeiten des Internet | juna im netz

  3. Hallo Johannes
    Ich wünsche dir eine erholsame Social Media(manchmal auch asozial Media) Pause und eine erfolgreiche Abstinenz.
    Ich bin total bei dir und deinen Gedanken. Die Welt hat sich doch stark verändert oder man war ohne Social Media irgendwie nicht so nah dabei. Zuviel Hass und Gewalt in allen Medien wie nie zuvor.
    Bis bald auf twitter oder besser bis nicht bald…aber auf jeden Fall im Blog. Facebook ist sowieso langweilig…

    Liebe Grüße an alle deinen und lass es dir gut gehen.
    Vielen Dank auch für die vielen Erwähnungen für Heike und mich

    Chris

  4. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 33 in 2014 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2014

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