Mutmachparade :: Von der Luft, die trägt

mutlosigkeit

„Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug.“

Dieser wunderbare Satz von Hilde Domin ist so ziemlich das Gegenteil von dem Erlebnis, das mein Leben in Sachen Mut entscheidend prägte. Denn ich hatte meinen Fuß in die Luft gesetzt, und sie hatte mich nicht getragen. Vielmehr war ich beim Bergsteigen übel abgestürzt und hatte nur deswegen überlebt, weil mein Mitwanderer mutig und beherzt und unter Einsatz seines Lebens ins Tal abgestiegen war und Hilfe geholt hatte.

Und genau dieses einschneidende Erlebnis war es, das mich nachhaltig geprägt hat. An die Nacht im Berg damals kann ich mich zwar nur bruchstückhaft erinnern, aber die damalige Todesangst und Verzweiflung ist seit einigen Monaten in nächtlichen Flashbacks wieder deutlich spürbar. Aber ich habe diese Nacht überlebt. Und zwar Dank des Mutes anderer Menschen. Menschen, die ihre eigenen Ängste überwunden und selbstlos gehandelt haben.

Das große Glück, das mir widerfahren ist, hat mich sehr dankbar gemacht. Es ist ein fragiles Glück, das ich nicht mehr strapazieren will. Vielmehr empfinde ich es als Verpflichtung, mein Leben ganz bewusst zu gestalten.

Nun bin ich durch das damalige Geschehen nicht zum Helden mutiert. Ganz im Gegenteil. Ich selbst bin in vielen Dingen eher ein Hasenfuß. Immer wieder zaudere ich, komme nicht in die Puschen. Aber hin und wieder gibt es auch die anderen Momente. Momente, in denen Leidenschaft und Begeisterung mich erfassen. Momente, in denen ich mir ein Herz fasse und einfach drauflos lege. Ohne mich von den drohenden Konsequenzen schrecken zu lassen und in Schockstarre zu verfallen. Und dann, genau dann stelle ich immer wieder fest, dass die Luft, in die ich meine Füße setze, wider erwarten doch trägt.

So wird es ab September dann auch sein, wenn ich beruflich kürzer trete und gemeinsam mit lieben Menschen einen kleinen Schritt in Richtung Selbständigkeit wage. Ich habe großen Respekt davor. Bedenken, dass die Luft nicht tragen könnte. Furcht, am Ende zu scheitern. Aber ich habe den Entschluss gefasst und werde es wagen. Denn ich bin überzeugt, dass die Idee gut, die Zeit reif und der Schritt richtig ist. Also los.

In Sachen Mut ist mir aber auch ein anderer Aspekt wichtig. Mut heißt für mich nicht, jedem Impuls nachzugeben oder gar zwanghaft zu handeln. Mut heißt vielmehr, bewusste und nachhaltige Entscheidungen zu treffen, die ich vor mir und meiner Mitwelt verantworten kann. Das kann auch mal bedeuten, Handlungsoptionen auszuschlagen und Haltung zu bewahren.

Und noch etwas. Mutig sein macht mit mehr Spaß, wenn wenn ich dabei in Gesellschaft bin. Und zwar egal ob virtuell oder real. Nichts ist schöner, als gemeinsam etwas zu wagen, gemeinsam Neues auszuprobieren und sich dabei gegenseitig zu halten und zu stützen. Zusammen Wege zu gehen, die so noch niemand gegangen ist.

Am Ende geht es darum, jeden Abend den Frieden mit sich machen zu können und hin und wieder auch zu akzeptieren, dass es mal heißt:

„Junge, es gibt Tage im Leben, da tust Du bei.“

In diesem Sinne„Glück auf“ und „nur Mut“.

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Dieser Beitrag ist Teil der #Mutmachparade, zu der ich aktuell eingeladen habe. Ich würde mich freuen, wenn viele von euch mitmachen.

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9 schräge Töne zu “Mutmachparade :: Von der Luft, die trägt

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  2. Wie gewohnt ein toller Beitrag! Doch ich finde hier stellst Du Dein Licht etwas zu sehr unter den Scheffel, denn ein besonderes Kennzeichen Deiner Beiträge ist der „Mut“ auch sehr persönlich zu werden. Und das ist wirklich nicht so einfach, denn damit macht man sich leichter angreifbar, also von fehlendem Mut zu sprechen ist meiner Ansicht nach komplett falsch!

    Darüber hinaus wünsche ich Dir für Deinen Schritt in die Selbstständigkeit, alles Gute. Und glaube mir, egal wie groß die Zweifel sind oder werden sollten, die Freude wird erheblich größer sein!

    • Danke für den so wohlwollenden und netten Kommentar. Die Schreiberei ist für mich mehr Katharsis, denn Mut ;-) Bislang hat mich jedenfalls noch nie jemand angegriffen, höchstens belächelt.

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